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08.03.10 08:30 Alter: 186 Tag(e)

ZVO: Umweltforum erstmals in Stuttgart

Von: Claudia König

Erstmals fand am 3. März 2010 das Umweltforum des ZVO unter Federführung des Ressorts Umwelt und Chemie in Stuttgart statt. Süddeutschen Betrieben soll mit dem neben Hagen (16.11.2010) zusätzlichen Standort die Anreise und Tagungsteilnahme ohne zusätzliche Übernachtung ermöglicht werden. An der Qualität der Veranstaltung kann es nicht gelegen haben, dass sich nur 18 Teilnehmer einfanden, um sich über aktuelle Themen wie REACH für Beschichter oder die neue Verordnung für die Klassifizierung, Kennzeichnung und Verpackung von Chemikalien zu informieren.

Moderiert von Ressortleiter Herbert Breidenbach widmete sich das Umweltforum zunächst dem Thema REACh, denn nach wie vor gehen zahlreiche Beschichter fälschlicherweise davon aus, dass sie selbst von REACh nicht betroffen seien bzw. dass es der Verfahrenslieferant schon richten werde. Sebastian Cappellacci von UMCO Umwelt Consult führte aus, dass die REACh-Verordnung nicht nur der besseren Erfassung von chemischen Stoffen und ihren Eigenschaften diene, sondern auch die Verantwortung für deren sichere Handhabung klar in der Lieferkette lokalisieren solle. Viele Betreiber von Galvaniken seien sich noch gar nicht bewusst darüber, welche Rolle sie innerhalb der Lieferkette einnehmen und welche Pflichten damit verbunden sind. 

 

Auswirkungen auf alle Akteure  

 

Über die Arbeit der Giftinformationszentren (GIZ) informierte Dr. Rafael Wagner vom GIZ-Nord. Die zehn deutschen Giftinformationszentren werden täglich mit etwa 520 Anfragen von Patienten, Rettungsdiensten, Arztpraxen oder Kliniken zu den gefährlichen Eigenschaften von Produkten konfrontiert. Sie fragen daher detaillierte Informationen zu den Stoffen und Mischungen bei Lieferanten oder Herstellern ab. CLP (Classification, Labelling and Packacking), auch GHS (Global Harmonized System) genannt, war Gegenstand eines Vortrags von ZVO-Ressortleiter Herbert Breidenbach. Das UN-Projekt zur Festlegung weltweit einheitlicher Kriterien für die Einstufung chemischer Stoffe und Gemische wurde Anfang 2009 in das europäische Rechtssystem übernommen. Die GHS-Verordnung hat auf fast alle Akteure in der gesamten chemischen Lieferkette erhebliche Auswirkungen. Die Frage nach der Haftung und Verantwortung im Abfallrecht, der sich Dr. Joachim Hagmann von der Kanzlei Baumeister Rechtsanwälte in Münster annahm, ist so alt wie das Abfallrecht selbst. Sein Beitrag beleuchtete verwaltungsrechtliche sowie strafrechtliche Risiken der Abfallerzeuger und -besitzer unter Berücksichtigung der aktuellen höchstrichterlichen Rechtsprechung.  

 

Schwerpunkt Materialeffizienz  

 

Nach der Mittagspause wurde das Umweltforum mit dem Schwerpunkt Materialeffizienz fortgesetzt. Zunächst berichtete Alexander Ottmann von der Deutschen Materialeffizienzagentur (DEMEA) in Berlin über das Impulsprogramm Materialeffizienz des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWi). Materialkosten stellen im produzierenden Gewerbe den mit Abstand größten Kostenblock dar. Studien zufolge sind darin erhebliche Einsparpotenziale verborgen. Das Impulsprogramm unterstützt kleine und mittlere Unternehmen bei der Lokalisierung und Erschließung von Material-Einsparpotenzialen mit Fördermitteln für Beratungsprojekte und Netzwerke. Frank Markert vom IFEU-Institut in Iserlohn setzte das Schwerpunktthema mit seinem Vortrag „Energie- und Materialeffizienz in der Oberflächenbehandlung – Praxisbeispiele“  fort. Der effiziente Einsatz von Material und Energie bedeutet Kostensenkung. Um diese Möglichkeiten speziell für KMU zu schaffen, bietet der Bund einige Förderprogramme an.  

 

PFOS bildete den Abschluss  

 

„Brandfrühesterkennung im Galvanikbetrieb“ war das Thema von Udo Stein, NSC Sicherheitstechnik GmbH, Bielefeld. Die Zuhörer erhielten einen Einblick in die allgemeine Brandmeldetechnik und erfuhren, warum die konventionelle Brandmeldetechnik im Umfeld eines Galvanikbetriebes nicht störungsfrei einsetzbar ist und welches System in der Lage ist, zuverlässig einen Brand bereits in der Entstehung zu detektieren bzw. zu melden. Den Abschluss des Umweltforums machte wiederum Herbert Breidenbach. Er führte den aktuellen Stand zur Verwendung von PFOS aus. Mit der EU-Richtlinie (2006/122/EG) trat die Ausnahmeregelung in Kraft, die eine weitere Verwendung von PFOS unter Auflagen in der Galvanotechnik weiterhin zulässt. Ungeachtet dessen wird aber verstärkt geforscht, um Alternativen zu finden oder bessere Maßnahmen zur Reduzierung des Eintrags in die Umwelt zu realisieren. Trotz der geringen Beteiligung an dieser Veranstaltung, sind die Verantwortlichen überzeugt, dass sich der Standort Stuttgart auch für das Umweltforum durchsetzen wird.  

 

Das nächste ZVO-Umweltforum findet am 16. November 2010 in Hagen, Mercure-Hotel, statt (www.zvo-umweltforum.de).